Dienstag, 22. Mai 2018

Warum schläft Gott, während wir uns für ihn abmühen?

35 Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns ans andre Ufer fahren. 
36 Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. 
37 Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. 
38 Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? 
39 Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille. 
40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? 
41 Und sie fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!

Die Situation: Jesus hat den ganzen Tag gepredigt vom Boot aus.
1 Und er fing abermals an, am Meer zu lehren. Und es versammelte sich eine so große Menge bei ihm, dass er in ein Boot stieg, das im Wasser lag, und er setzte sich; und alles Volk stand auf dem Lande am Meer. 
2 Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen...

Am Abend nun möchte er an das andere Ufer. Er ist müde und legt sich im Boot schlafen.
Als der Sturm aufkam, war den Jüngern, einige waren ja erfahrene Fischer, schon bewusst, dass sie sich in einer gefährlichen Lage befanden.
Sie brauchten nun alle Kräfte, um irgend wie heil, ja überhaupt lebend, aus dem Unwetter zu kommen.
Deswegen weckten sie Jesus. Für die Jünger hatte es den Anschein, als ob er die gefährliche Lage nicht richtig erfasste.
Doch Jesus brauchte nicht lange, um auf SEINE Weise mit dem Problem fertig zu werden. Es ist kurios: Die Furcht vor dem Wetter wechselte zu einer Furcht vor Jesus.

Diese Begebenheit hat etwas Prophetisches:
Wir haben Jesus „den ganzen Tag“ erlebt. Er hatte uns eine Menge zu sagen, nicht nur uns. Allen Anwesenden, aber eben auch uns! Das hat uns beeindruckt. Wir waren ganz nahe bei Ihm. Wir saßen in demselben Boot, von dem aus er predigte, bildlich gesprochen. Es war genial! JESUS - und wir! Es war eindeutig: Wir gehören zu ihm. Wir dienen ihm. Wir dürfen mit ihm gehen. Er hat uns dazu gerufen. Mit diesem Jesus zu gehen, ist genial.

Insofern haben wir auch auf ihn gehört, als er sagte: Los, wir gehen über den See, auf die andere Seite. Bei diesem grandiosen Anfang, wir immer dabei... Also, es wird immer besser, immer stärker, immer neue Dimensionen... Und ER ist immer dabei. Oder wir sind immer dabei. Irgendwie genau so. Dachten wir.

Dann kommt der Wind auf. Und wir auf dem See! Man kann da auch keine Umleitung mehr nehmen. Und es wird immer schlimmer, ja, auf einmal geht es nur noch um’s Überleben... Wo ist nun auf einmal Jesus? Er könnte Wasser schöpfen, oder rudern, oder uns übernatürliche Kraft geben gegen den Sturm, aber irgend etwas MUSS er jetzt tun.

Genau so geht es uns immer wieder. Wir sind überwältigt von Jesus, und wollen ihm folgen, wir tun es auch. Denn er ist das Beste, was uns passieren konnte. Dass er uns angenommen hat, wie wir sind... Das zu erleben, ist schon genial. Mit den Menschen haben wir da schon so einige Enttäuschungen durch. Mit Jesus gibt es das nicht! Dem folgen wir gern.

Und dann sagt Jesus: „Es geht los, mache Dich auf den Weg, ich habe was vor mit Dir.“ Klar: „Das mache ich doch gern für Dich, Jesus! Was kann mir schon passieren...?“

Und dann: Es läuft auf einmal nicht mehr. Es gibt Probleme, Schwierigkeiten. Auf einmal doch Leute, also Problemfälle, die uns so richtig anmachen... und mit der Versorgung hatte ich mir auch einfacher vorgestellt. Und irgendwie mittendrin ist doch Jesus, aber es scheint, dass er schläft. Er rührt sich nicht inmitten aller Miseren, die sich da auftürmen.

Der Knackpunkt unserer dramatischen Lage ist unser Schrei zu Jesus:

38 ...Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? 

Unausgesprochen klingt hier die „Systemkritik“ mit: „Jesus, Du hast mich gerufen, ich bin Dir gefolgt, warum bewahrst Du mich nicht vor diesen Katastrophen?“ „Wenn Du mich gerufen hast, MUSST Du mich eigentlich bewahren. Warum tust Du das nicht. Warum schläfst Du?“

Der zweite Punkt ist, dass wir eine ganze Reihe von Maßnahmen aufzählen können, wo wir Gottes oder Jesus’ Hilfe brauchen. Und das sagen wir ihm natürlich auch. Welche Leute wir brauchen, wie hoch die Finanzen sein müssen, wie die Umstände beschaffen sein müssen usw.. Oder auch wie wir die Leute gern hätten, mit denen wir zusammen sind... Der Katalog ließe sich beliebig erweitern. Das ist so wie Jesus zum Wasser schöpfen im Boot anstellen...
Weil wir in einer so prekären Lage sind, machen wir Jesus zum Diener... Wir hoffen, dass wir ihn irgend wie „rumkriegen“, etwas für uns zu tun. Er KANN uns nicht allein lassen!!!

Plötzlich - oder auch allmählich - ist der Aspekt, dass wir IHM dienen wollten, ins Gegenteil verkehrt. Und es ist auch interessant, wie wir auf einmal auch aus den ganzen Vollmachts- und Salbungsevents herausgenommen sind...

39 Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille.

Hier kommen wir zu dem Knackpunkt: Jesus spricht! Er hilft nicht! Er schöpft kein Wasser. Er hilft nicht beim Rudern. Er spricht! Er spricht zu den Umständen. Und dann ist Ruhe!

Und danach spricht er zu uns! Mitten in die Ruhe hinein.

40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? 

Was er redet ist sehr eindeutig. Wenn wir uns das durch den Kopf gehen lassen, stellen wir fest, dass wir irgend etwas grundlegend nicht oder falsch verstanden haben... „Habt ihr noch keinen Glauben.?“ "Bei allem was ihr gesehen und von mir gehört habt... Ihr wolltet so gern mit mir los gehen, Ihr wart so begeistert... Dachtet Ihr wirklich, dass ich nur den kleinsten Zweifel daran habe, dass Ihr an das Ziel kommt, wenn ihr auf dieses zugeht? Meint Ihr, ich würde euch im Stich lassen? Was habt Ihr eigentlich für eine Meinung von mir? Ich lasse Euch losgehen in dem Wissen, Ihr werdet das Ziel nicht erreichen? Meint Ihr wirklich, dass irgend welche Umstände, irgend welche Euch nicht wohl gesonnenen Menschen, fehlende Finanzen oder Pannen, Misslingen verhindern können, dass Ihr an das Ziel gelangt?"

„Wenn Euch irgend etwas hindert, ans Ziel zu kommen, dann ist es das mangelndes Vertrauen in mich... Alles Andere habe ich im Griff. Ich brauche nur EIN Wort sprechen!“

"So lange, wie Ihr an den Symptomen der Widrigkeiten herum probiert, kann ich nichts tun. Und ihr meint, ich schlafe."

"Wenn ich mein Wort spreche, dann wir es still. Und dann habe ICH euch etwas zu sagen."

Die Jünger haben es in dieser Situation nicht verstanden. Später kommen Sie wieder in eine Situation, wo Jesus sie auf etwas hinweisen will und sie gleich Unzulänglichkeiten ihrer Versorgung im Blick hatten:

17 Und er merkte das und sprach zu ihnen: Was bekümmert ihr euch, dass ihr kein Brot habt? Versteht ihr noch nicht, und begreift ihr noch nicht? Habt ihr ein erstarrtes Herz in euch? 
18 Habt ihr Augen und seht nicht und habt Ohren und hört nicht?

Gott wird uns immer wieder in solche Situationen kommen lassen. Das ist keine Willkür. Das ist keine Herzlosigkeit. Er braucht diese Bewährung, das tiefe innere Überzeugtsein, dass Gott aus dem Unsichtbaren in das Sichtbare hinein spricht und Dinge schaffen kann. Dafür haben wir aber nicht die Verantwortung.

Unsere Verantwortung ist, seinen Auftrag auszuführen in dem Vertrauen, dass Gott selbst uns Bahn macht, zu Seiner Zeit, auf Seine Weise. Er dient nicht uns , sondern wir dienen ihm. Dann aber wird er „alles“ für uns tun.